Wie Emotionen dein Essverhalten beeinflussen können und was du dagegen tun kannst

In diesem Artikel erfährst du, welchen Einfluss unsere Emotionen auf unser Verhalten haben und wie du damit umgehen kannst.

2017 habe ich an einem einjährigen Ernährungscoaching teilgenommen.
Ich kann mich noch sehr genau an eine Übung erinnern, die mir total gegen den Strich ging. Das hab ich zu dem Zeitpunkt gar nicht so gemerkt, aber im Nachgang ist es mir klar geworden.

Es ging um das Thema, dass Hunger kein Notfall ist. Wir hatten die Tagesaufgabe einen Tag lang nichts zu essen. Oder, wem das zu krass war, einfach eine Mahlzeit ausfallen zu lassen.

Eigentlich klingt das ja ganz einfach. Aber man, hatte ich einen inneren Konflikt mit dieser Übung. Ich bin ja auch immer recht gerade heraus und so sagte ich meinem Coach auch gleich, dass ich die Übung unmöglich durchführen kann.

Meine Abneigung kam nicht von ungefähr

Stopp

Ich hatte schon mehrfach erlebt, wie mein Kreislauf schlapp gemacht hat, wenn ich nicht
regelmäßig gegessen habe. Ich habe zwar kein Diabetes oder eine ähnliche Erkrankung, aber ich habe es schon oft erlebt, dass mir schwarz vor Augen geworden ist oder ich kurz vorm zusammenbrechen war, weil ich nicht 4 Stunden nach dem Frühstück wieder etwas gegessen hatte. Ich rede da jetzt nicht davon, dass ich 6-8 Stunden nichts gegessen hätte und mein Körper dann schlapp gemacht hätte, sondern davon, dass ich beispielsweise einfach noch kein Mittag hatte oder erst später dazu kam zu essen und ich schon nach 4 Stunden Schwinde
l-/ Schwächeanfälle hatte. Sagen wir einfach mein Körper ist sensibel.

Nun stand ich also da und sollte bewusst auf Essen verzichten, vor dem Hintergrund, das ich weiß, dass mein Körper da sehr sensibel reagiert. Meine Güte, du hättest dir nicht vorstellen können, wie ich geschäumt habe. Wie man sowas nur verlangen kann und überhaupt und generell und mimimi. Ich habe mich lauthals bei meinem Freund beschwert.

Die Sache war die, ich hatte Angst. Angst davor, was passieren wird. Angst davor mitten auf Arbeit umzukippen, wo jeder Fragen stellen würde und keiner zögern würde einen Arzt zu rufen, weil ich damals noch im Gesundheitswesen gearbeitet habe.

Es wäre peinlich und unangenehm geworden da in Ohnmacht zu fallen oder einen Schwächeanfall zu bekommen. Man kann auch sagen, ich vertraute meinem Körper nicht mehr so sehr, wie ich es vor ein paar Jahren noch der Fall war. Erfahrung hatte mich gelehrt, dass es ganz schnell gehen konnte und ich war von einem Moment auf den Anderen kurz vor der Ohnmacht.

Eine Situation die ganz schön tricky war. Selbst der Vorschlag von meinem Coach, die nächste Mahlzeit einfach etwas weiter rauszuzögern ging mir gegen den Strich. Die Angst war einfach zu groß. Ich sträubte mich gegen diese Übung mit Händen und Füßen und ließ sie ausfallen.

Fast Forward ein paar Monate später

Ich saß auf Arbeit an meinem Schreibtisch und wollte noch schnell meinen Arbeitsvorgang zu Ende bringen, bevor ich zum Mittagessen ging. Mein Magen hatte schon vor einer ganzen Weile gegrummelt und ich wusste, dass ich bald was essen sollte. Aber ich wollte diesen Vorgang wirklich noch vor dem Mittagessen zuende bringen, damit ich mich danach nicht nochmal reindenken musste.

Mein Chef fragte mich bereits, ob ich nicht mal essen gehen möchte. Ich schaute auf die Uhr und siehe da, es ist 13:45Uhr. Normalerweise ging ich immer gegen 12:15 Uhr zum Essen.

Was war passiert?

Natürlich habe ich sofort an die Übung von vor ein paar Monaten denken müssen. Welch Ironie des Schicksals. Dass mein Körper gerade heuet beschließt, doch “normal” zu reagieren. Ich hab mich geärgert und war gleichzeitig beschämt. Wie viel Angst ich damals noch hatte, mein Essen hinaus zu zögern oder nur ein paar Minuten später anzufangen. Wie überzeugt ich doch war meinen Körper zu kennen und zu wissen, wie er reagiert. Ohne es bewusst zu wollen hatte ich die Übung dann doch durchgeführt. Ohne dass irgendwas passiert ist. Ohne dass ich eine Schwächeanfall hatte oder kurz vor der Ohnmacht stand. Ein bisschen verarscht kam ich mir allerdings schon vor. Da dachte ich meinen Körper zu kennen und dann war plötzlich alles anders.

Dabei gab es keine Angst oder Unbehagen. Es ist einfach passiert. Der Bann von einer Person, deren wichtigste Komponente im Leben die nächste Mahlzeit war, die sich von Essen zu Essen gehangelt hat, war gebrochen.

Wie ist die Veränderung passiert?

Natürlich ist das nicht einfach über Nacht passiert. Aber doch eher unbewusst. Meine Gegenwehr am Anfang war nicht unbegründet. Wenn du weiß wie dein Körper in bestimmten Situationen reagiert, dann solltest du das nicht außer Acht lassen. Zum damaligen Zeitpunkt war ich einfach noch nicht in der Lage, diese Übung durchzuführen. Ein paar Monate später jedoch schon. Warum?

Weil ich mich in der Zwischenzeit in meinem Coaching intensiv mit meinem Essverhalten beschäftigt hatte. Weil ich angefangen hatte darauf zu achten, wie ich esse. Weil ich angefangen habe, meine Hungersignale besser zu verstehen und dadurch wieder Vertrauen zu meinem Körper aufgebaut habe. Weil ich durch das Coaching auch angefangen habe, mich richtig satt zu essen und mein Körper nicht immer auf Sparflamme agieren musste. Dadurch war es auch für mich möglich mein Essen nach hinten hinaus zu schieben.

Ich habe gelernt, dass es möglich ist. Dass ich meinem Körper wieder vertrauen kann. Dass er dazu in der Lage ist, weiter normal zu funktionieren, selbst wenn ich nicht sofort etwas esse, sobald mein Magen grummelt. Ich habe durch Zufall gelernt, dass Hunger kein Notfall ist. Dass ich nicht jedesmal wenn mein Magen grummelt, sofort losrennen muss und das erstbeste in mich reinstopfen sollte, was mir über den Weg läuft. Ich habe auch gelernt, dass ich dazu fähig bin, das unangenehme Gefühl des Hungerhabens auszuhalten, ohne in Panik zu verfallen.

Bisher war es nämlich immer so, dass ich regelrecht Angst hatte vor dem Moment in dem ich Hunger hatte und eventuell nichts in meiner Nähe ist, was ich essen könnte. Was auch der Grund ist, warum ich jahrelang nie ohne Snack aus dem Haus gegangen bin und oftmals nur aus Vorsicht, dass ich eventuell Hunger haben könnte etwas gegessen habe.

Gesundes Essverhalten ist das jedenfalls nicht gewesen.

Und heute?

Heute sitze ich hier, schreibe diese Zeilen und mein Magen grummelt, weil es kurz vor Mittag ist und ich nun Hunger bekomme. Und das tolle ist, ich bin entspannt. Ich verfalle nicht in Panik und fange an verzweifelt nach etwas essbarem zu suchen oder mir Stress zu machen, dass nichts essbares in der Nähe sein könnte.

Ich sitze hier, empfinde Hunger und weiß, dass dies auch gleich wieder vorbei sein wird. Ich kann auf meine Fähigkeiten vertrauen, diese Signale zu erkennen und entsprechend darauf zu reagieren. Wenn ich den Artikel fertig habe, werde ich auch essen. In aller Ruhe und mit Genuß und Zeit. Ohne getrieben zu sein, möglichst schnell den Hunger zu bekämpfen. Hunger ist ok. Es ist nicht schlimm Hunger zu haben. Es gehört zum Leben dazu, auch mal das unangenehmen Gefühl des Hungerhabens auszuhalten. Das heißt nicht, dass du den lieben langen Tag lang Hungern sollst. Das meine ich nicht und davon halte ich auch nicht sehr viel. Aber es bedeutet, eine gesunde Einstellung zu seinen Hungergefühlen zu haben. Und es ist ein wichtiger Schritt auf dem Weg zu einem gesunden Essverhalten. Regelmäßige Mahlzeiten sind deswegen immer noch wichtig, aber das Wissen, das Hunger kein Notfall ist ist ebenfalls Gold Wert. Ohne mein Coaching hätte ich das jedoch nie gelernt.

Was will ich dir damit sagen?

  • Zum einen Hör auf deinen Körper und vertraue auf deine Erfahrungen.
  • Selbst wenn du jetzt noch nicht bereit bist, dich deinen Emotionen zu stellen, sei offen dafür, es zu einem späteren Zeitpunkt zu tun. Gib nicht auf, nur weil es jetzt gerade nicht geht. Wir sind komplexe Wesen und manchmal brauchen wir auch etwas länger um zum Ziel zu kommen.
  • Ja es ist möglich, aus dem Kreislauf des emotionalen Essens und einem ungesunden Essverhalten auszubrechen. Du kannst ein Leben frei von Esszwängen leben. Das ist machbar, aber es erfordert Arbeit. Arbeit an dir, an deinen Gewohnheiten, Gefühlsarbeit und Reflexion. Das ist nicht immer einfach aber oftmals trotzdem spannend zu erforschen.
  • Hab keine Angst vor deinen Emotionen. Selbst wenn du sie nicht gleich zuordnen kannst oder noch nicht weißt, wie du damit umgehen sollst. Lege dir ein Journal zu und halte einfach fest, was dir gerade durch den Kopf geht oder was dich bewegt und dich in Abwehrhaltung gehen lässt. Vielleicht hilft es dir ja zu einem späteren Zeitpunkt weiter.
  • Es hilft ungemein, wenn du einfach nur “aussprichst”, was dich gerade umtreibt. Es gibt eine Übung die nennt sich “notice & name”. Dabei geht es darum, sich im ersten Schritt bewusst zu werden, dass es gerade eine mentalen Hürde gibt und dieser im zweiten Schritt eine Namen zu geben. Diese Übung kannst du auch super in deinem Journal durchführen.

Bsp.:
Ich weigere mich, die Hunger-Übung durchzuführen. (Hürde)
Ich habe Angst, unmächtig zu werden, nichts zu Essen bei der Hand zu haben, Hunger zu fühlen. (Name)

Fazit

Unsere Emotionen haben einen viel größeren Einfluss auf unser Verhalten, als es unsere Gewohnheiten tun. Es ist wichtig und richtig unsere Emotionen zu respektieren und ihnen offen gegenüber zu sein. Deine Gewohnheiten zu ändern heißt immer auch sich mit den eigenen Emotionen auseinander zu setzen. Sei dir darüber bewusst und scheue dich nicht, auch mal tief in dich hinein zu horchen. Auch wenn du gerade in diesem Moment nichts an deinen Emotionen ändern kannst, dann ist es hilfreich wenn du sie dir bewusst machst und ihnen einen Namen gibst. So werden dir auch ungesunde Verhaltensmuster bewusst, die du vielleicht zu einem späteren Zeitpunkt ändern möchtest. Nichts ändert sich über Nacht. Geh einfach Schritt für Schritt und komme langsam ans Ziel. Der kürzere Weg ist nicht immer der bessere.

Schreib mir doch ein Kommentar, welche Erfahrungen du mit dem Thema Emotionen und Hungergefühlen hast. Mich interessiert, wie du die Sache siehst.

Liebe Grüße

 

Deine Steffi
von Madame Besser

1 Kommentar zu „Wie Emotionen dein Essverhalten beeinflussen können und was du dagegen tun kannst“

  1. Nicole Tisson

    Hallo erstmal und vielen Dank für deinen Beitrag, er hat mir gerade sehr geholfen. Ich leide seit Jahren an einer Angststörung aber habe sie eigentlich gut im Griff. Hat ende letzten Jahres zwar wieder ein großes Loch bin aber wieder über dem Berg. Was leider geblieben ist, ist die Angst vor dem umkippen und deswegen bin ich ständig irgendwelche süßen Dinge am essen oder trinken. Weil ich mir einbilde den Kreislauf in den Schwung zu bekommen. Hoffe bekomme es wieder in den Griff, habe so zugenommen. Lg Nicole

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